Sippenverband Fü(h)rer e.V.

Die seit 10 Generationen in Hessen ansässige Familie Fü(h)rer, vorwiegend in Kurhessen, stammt von dem in Preußisch Minden und im hannoverschen Nienburg wirkenden Brückenbaumeister und Steinbruchbesitzer Johann Michael Führer, [Kenn-Nr. 1]*) ab. Der Sippenverband Fü(h)rer e.V., Kassel , hat sich in den letzten Jahrzehnten darum bemüht, der Lebensgeschichte ihres Stammvaters nachzuforschen in der Hoffnung, um vielleicht dadurch weiter zurückliegende Generationen der Familie aufzuklären.

Dieses Ziel ist bisher nicht erreicht worden, aber es ist immerhin dabei viel Wissenswertes über das Leben des Brückenbaumeisters Johann Michael Führer ans Licht gekommen. Was die Urkunden erzählen, ist in dem von Prof. Dipl.-Bergingenieur Gotthard Fürer verfaßten Lebensbild sehr anschaulich dargestellt, siehe: Johann Michael Führer +1720 - Forschungsergebnisse, erschienen 1958, 2. Auflage 1998, 3. Auflage 2001, 2nd English Edition, 2007.

In beiden genannten Städten, Preußisch Minden und im hannoverschen Nienburg, war der Johann Michael Führer ein Zugezogener. Sein Beruf hatte ihn dorthin verschlagen. Es ist bis heute unbekannt, woher er und seine Familie stammen. Hier liegt der „tote Punkt“ der Familienforschung.

Durch Urkunden gesichert ist, dass Johann Michael Führer von 1712 bis 1720 mit seiner wachsenden Familie in Minden und Nienburg lebte. Er war schätzungsweise 40 Jahre alt, als er am 12.12.1720 in Minden starb. Er gehörte dort zur evangelisch reformierten Gemeinde, war verheiratet und hatte drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen. Er baute u. a. mit an der steinernen Brücke in Minden und begann mit dem Bau der ersten steinernen Brücke über die Weser bei Nienburg.

Die Nienburger Weserbrücke war ein Geschenk von Kurfürst Georg von Hannover aus dem welfischen Fürstenhause der als erster seiner Familie den englischen Thron bestieg. Als König George I begab er sich Anfang 1714 mit einem großen Troß auf seine erste Reise nach England und musste die Weser bei Nienburg auf einer hölzernen Brücke überqueren. Der König sieht es und gibt seiner Umgebung den Befehl, Vorbereitungen zu treffen, um eine steinerne Brücke an dieser Stelle auf Staatskosten zu bauen. Es ist dies ein großes königliches Geschenk für die Stadt. In früheren Jahrhunderten regelte nur eine Fähre den Verkehr über die Weser. Erst 1616 wird eine hölzerne Sommerbrücke, die im Winter wegen des Eisgangs stets vorsorglich abgerissen wurde, über die Weser geschlagen.

Johann Michael Führer gewann das Ausschreibungsverfahren um den Bau der steinernen Weserbrücke. Er sollte kurz vor ihrer Vollendung daran scheitern, dass ihm seitens der Verwaltung in Hannover - trotz auftraggeberseits geänderter Planung nicht die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt wurden. Nach seiner Entbindung von seiner Aufgabe musste er die privat vorgestreckten Mittel in nicht unbeträchtlicher Höhe vor Gericht einklagen.

Von Johann Michael Führers Familie erfahren wir bis 1725 nur noch sehr wenig. Die Kinder Johann Bernhard, *Nov. 1716, und Dorothea Magdalena, *März 1718, beide in Nienburg geboren, sind familienkundlich verschollen **).

Über die Witwe Dorothea konnten wir nur sehr wenig in Erfahrung bringen. Ihr Geburtsname und ihre Eltern konnten von uns nicht ermittelt werden; ebensowenig konnten wir ihren Geburtsort ermitteln. Dorothea lebte noch 1725. In Minden hatte sie Freunde und Gönner, die ihr in den Notjahren nach dem frühen Tode ihres Mannes halfen. Sie konnte ihnen offenbar nach dem gewonnenen Prozess gegen die Verwaltung in Hannover 1725 die geschuldeten Gelder erstatten.

Über ihren ältesten Sohn Friedrich Wilhelm Führer wissen wir aus der Literatur und anhand des Sippenarchivs recht viel. Die Biographie von Justus Fürer [Kenn-Nr. 1,1221 14]: „Ein Leben in Unruhe - Friedrich Wilhelm Führer“, erschienen 1906, ist eine bedeutende Fundgrube.

So ist der eigentliche (2.) Stammvater Friedrich Wilhelm Führer [Kenn-Nr. 1,1]. Mit ihm beginnt die Reihe der namentlich bekannten Offiziere der Familie Fü(h)rer ***).

Friedrich Wilhelm wird am 11.03.1714 in Minden /Weser geboren. Seine Jugend ist geprägt durch den Lebensweg und das Schicksal seiner Eltern. Urkundlich wird Friedrich Wilhelm erst wieder als Jurastudent in Halle 1734 erwähnt. Für weitere Einzelheiten sei auf das vorgenannte Buch  „Ein Leben in Unruhe - Friedrich Wilhelm Führer“ verwiesen.

Er galt als Gelehrter und Schriftsteller seiner Zeit und ist Stammvater der hessischen Familie Fürer aus Felsberg. Seine Nachfahren, die auch heute z. T. im ehemaligen Kurhessen beheimatet sind, waren bzw. sind überwiegend Offiziere, ev. Geistliche, Ärzte u. Juristen.

Um 1795 legten die Söhne des Friedrich-Wilhelm Führer nahezu gleichzeitig das "h" im Namen ab. Der einzige Zweig, der das "h" beibehielt, ist im Mannesstamm erloschen.

Von Friedrich Wilhelm Führer ausgehend verzweigt sich die Nachkommenschaft in mehrere Hauptlinien und Linien, sowie Äste, Zweige und Stammfolgen.

Ein nicht unbeträchtlicher Teil der heute noch lebenden Namensträger der Familie Fürer (Führer) lebt heute in den USA. Die dort lebenden Mitglieder der Familie schreiben den Namen Furer bzw. Fuerer. Einer der bedeutensten Namensträger in den USA war Rear Admiral Julius Augustus Furer [Kenn-Nr. 1,16633], der maßgeblich auf amerikanischer Seite in der Abwehr der deutschen U-Boote mitgewirkt hat.  

Heute leben mehr Namensträger in den USA, als in Deutschland, sieht man mal von der unterschiedlichen Schreibweise des Namens ab.

 ______________________________________

*) Die Kennziffern stammen aus der Nachkommentafel des Brückenbaumeisters Johann Michael Führer - siehe Quellenverzeichnis. Mit ihnen ist die Zuordnung zu den verschiedenen Linien, Ästen, Zweigen und Stammfolgen der Familie Fü(h)rer einwandfrei möglich.

**) Da über den Verbleib und das weitere Schicksal der beiden Geschwister Johann Bernhard (1,2 - *Nov. 1716) und Dorothea Magdalena (1.3 - *März 1718) nichts in Erfahrung zu bringen war, stammen alle bekannten Nachfahren von Johann Michael Fürer allein von seinem ältesten Sohn Friedrich Wilhelm Führer (1.1) ab.

***) siehe: Soldaten und Offiziere der kurhessischen Familie Fürer, (1714 - 2006) von Prof. Gotthard Fürer, 2006